BEYOND WHITE NOISE
BEYOND WHITE NOISE

Beyond White Noise 

 

Weisses Rauschen hat mit Kunst oder Ästhetik zunächst nichts zu tun. Ganz im Gegenteil! Es steht nicht für etwas Anderes und repräsentiert auch keinen Selbstzweck oder Sinn. Weisses Rauschen ist vielmehr das, was inhaltlich gerade nichts aussagt, ohne eigene Bedeutung oder Verweis.

 

Sobald das Zufällige durch Auswahl thematisch definiert wird, entsteht Bedeutung. Weisses Rauschen bildet für mich einen idealen Bezugspunkt zur Erforschung des Grundlegenden, des Ästhetischen und des Ursprungs der Kunst. Bedeutungsgebendes Tun in Interaktion mit der Welt, ist das, was mich künstlerisch antreibt und neugierig hält. Neues entdecken und Bezüge herzustellen. Suche nach Symmetriebrüchen und deren kreativem Potential. Gleichsam Erkenntnis- wie Schaffensprozess.

 

Während meines Philosophiestudiums hatte ich mich mit Erkenntnistheorie, Ontologie und Semiotik beschäftigt und darin Ansätze und Verbindungen zu meiner eigenen, damals malerischen, Arbeit gesucht. Umberto Eco hat in seinem Werk "Das offene Kunstwerk", von 1962, nach Grundlagen der Ästhetik offener Werke in der Kunst und Literatur erörtert. In einem Kapitel hat er in einem Gedankenexperiment das Weisse Rauschen behandelt. Ich komme von der visuellen Seite und forsche nach Ausdrucksgebenden Formen, Inhalten und daraus entstehenden Bedeutungen im Bild. Ich schließe dabei die Offenheit des Autors, zur Auswahl und Bildgebung, mit in das Werk ein. 

 

Die Überflutung mit Bildern in den modernen Medien und die inflationäre Verfügbarkeit von Kameras jedweder Form, sowie mangelnde Impulse der Photoästhetik seitens des fotografischen Mainstreams und wachsender Austauschbarkeit, lassen Kritiker bereits vom Ende der Fotografie als ästhetischem Konzept sprechen. Der Gesamtzustand der Fotografie der Gegenwart erscheint schon Manchem selbst als Weisses Rauschen, pictorales Sediment, gefangen in einem Zustand der Aporie. Nun, es gibt viele Beispiele dafür, daß es nicht so ist.

 

Ich denke eher, dass sich die Fotografie als Kunstform längst noch nicht ausreichend befreit hat. Vielleicht wird das Medium bislang zu wenig als Botschaft betrachtet und der bloße Abbildungscharakter in den Vordergrund gestellt? 

 

Die Frage, wesshalb dieses oder jenes Bild uns intellektuell oder emotional anspricht und etwas aussagt, erschöpft sich weder im technischen Prozess, noch in ästhetischen Formalprinzipien. Das, was der Kunst ureigen ist, spielt hier die tragende Rolle und kann gelebt und weiterentwickelt werden - γνῶθι σεαυτόν!

 

In meiner Arbeit erkunde ich Optionen der Bildgestaltung, und sehe die Fotografie als freies, ästhetisches Konzept. Fotografie bewegt sich innerhalb des Spektrums der mimetischen und nicht-mimetischen Darstellung und Gestaltung. Es kann von mimetischer und nicht-mimetischer Fotografie, sowie entsprechender Hybridformen gesprochen werden. Meine künstlerische Recherche hat die Erforschung mimetisch hybrider Optionen fotografischer Gestaltung zum Gegenstand. In diesem Zusammenhang habe ich den Begriff "Transmimetische Fotografie" eingeführt.